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Selous Wildreservat

Das Selous Game Reserve, 1982 von der UNESCO zu einem Teil des Weltnaturerbes erklärt, ist mit etwa 52.000 km² das größte Wildschutzgebiet Afrikas. Zusammen mit dem nördlich der Ta-ZA-Ra Eisenbahn angrenzenden Mikumi National Park, dem westlichen Udzungwa National Park und der Game Controlled Area der Kilombero-Ebene bildet der Selous ein gigantisches zusammenhängendes Ökosystem, dass eine Fläche so groß wie Österreich einnimmt.

Dass so ein riesiges Gebiet vom Menschen verschont geblieben ist und sich hier eine Insel natürlichen Afrikas bewahrt hat, ist u.a. der Tsetse-Fliege zu verdanken. Die insbesondere im südlichen Selous vorkommende Fliegenart überträgt auf den Menschen die Schlafkrankheit und auf Rindern die tödliche Nagana-Seuche. Die Wahrscheinlichkeit, im Foto-Sektor (s.u.) eine Schlafkrankheit bekommen, ist äußerst gering; für Besucher besteht kein Grund zur Besorgnis.

Ausgangsort für einen Besuch des Selous ist Dar es Salaam. Das Reservat kann mit dem Geländewagen, auf Fußmärschen in Begleitung bewaffneter Ranger oder mit dem Motorboot erkundet werden. Besonders die Möglichkeit, den Selous auf Wanderungen zu erkunden, lässt einen mit der heißen, rauhen afrikanischen Natur und deren Tierwelt förmlich verschmelzen. Die Bootsfahrten in dem Labyrinth vom Flussarmen und Seen garantieren abenteuerliche Erlebnisse zwischen Flusspferden und Krokodilen.

Der Selous ist noch ein Stück echte Afrikanische Wildnis. Nichts hat sich verändert seit Burton und Speke 1857 den Norden des heutigen Selous durchstreiften, auf der Suche nach den mysteriösen Nilquellen im Herzen Ostafrikas.

Der Foto-Sektor

Da der Selous den Status eines Game Reserve hat, ist hier im Gegensatz zu den nördlichen Nationalparks auch die professionelle Großwildjagd erlaubt. Für Besucher mit fotografischen Ambitionen ist daher nur das jagdfreie Gebiet nördlich des Great Ruaha und Rufiji River zugänglich. Dieser Teil wird meist Northern oder Photographic Sector genannt. Geplant ist auch einen Teil, der südlich an den Rufiji angrenzt, zur Nicht-Jagd-Zone zu erklären und für Tourismus freizugeben.

Das Herz des Selous Game Reserve bildet – ab dem Zusammenfluss des Ulanga- und Luwegu-Flusses – der  Große Rufiji River. Nach der Einmündung des Great Ruaha River aus dem gleichnamigen Nationalpark zwingt sich der wasserreiche Rufiji durch eine etwa 8 km lange Schlucht, die Stieglers Gorge genannt wird. Hier hat sich der mächtige Strom in Tausenden von Jahren einem 100 m breiten und tiefen Weg durch Granit-Gestein gebahnt. In diesem markantesten Teil des Selous stürzt der Rufiji über die drei großen Stromschnellen Pangani Rapis, Conman’s Foil und Ropeway Rapids einige Meter hinunter, bevor er die flachen Ebenen des Küstenvorlandes durchfließt und in der Regenzeit großflächig überschwemmt. Die Schlucht wurde nach dem deutschen Forscher Stiegler benannt, der in diesem Gebiet Anfang des letzten Jahrhunderts von einem Elefanten zu Tode getrampelt wurde.

Während das Gebiet entlang des Rufiji zwischen der Stieglers Gorge und dem östlichen Mtemere Entrance Gate auf ungefähr 70 m Höhe liegt, ragen im nördlicheren Teil  des Reservats ein paar Berge aus der sonst nur leicht hügeligen Landschaft auf, etwa der 670 m hohe Mt. Beho und der 754 m messende Mt. Nyamambi. Im fernen Süden des Selous gibt es kleinere Bergketten mit Höhen von bis zu 1000 m.

Auf dem Fluss selber verkehren keine Schiffe, da der  Rufiji in letzten Jahrzehnten stellenweise sehr versandet ist und daher nur wenig Tiefgang aufweist.

Das Rufiji-Binnendelta

Ein lebhafter kleiner Kingfisher am Ufer des Rufiji-Flusses

Der ab der Stieglers Gorge östliche Teil des Rufiji ist die zentrale Attraktion des Selous, hier befinden sich auch die noblen Safari-Camps. Nach der Schlucht verbreitert sich der Fluss zu einem großen Binnendelta, das aus zahlreichen Inseln, Sandbänken, Seen und Nebenflüssen besteht. Der Grund für diese scheinbar uferlose Ausdehnung ist eine Aufstauung der abfließenden Wassermassen aufgrund sehr geringem Fließgefälle und reichlich Akkumulation und Sedimentation von Erdmaterial, welches der Strom Jahr für Jahr tonnenweise anschwemmt.

Bei einem Landeanflug lassen sich zahlreiche Sandflächen und –Bänke aus der Luft betrachten. Hinzu kommt, dass der Rufiji-Strom im El-nino-Jahr seinen Verlauf geändert hat. Diese Verlaufsänderung hat dem Binnendelta des Selous sein vorerst endgültiges Aussehen verliehen. Denn der nun in einem Bogen fließende Rufiji verbindet die Seen Tagalala, Manze, Nzelkakela, Siwandu und Mzizimia miteinander. Verstärkt durch die dichte Ufervegetation und die Borassus-Palmen stellt dieses riesige Wasserlabyrinth eine undurchdringliche, ungezähmte und geheimnisvolle Wildnis dar. Landschaftlich ist dieser Teil des Selous ein in Ostafrika einzigartiges Gebiet, vergleichbar mit dem Okavango-Delta in Botswana, aber mit wesentlich geringeren Besuchszahlen und einem viel spärlicheren  Wegenetz, so dass die Atmosphäre des Gebiets noch ursprünglicher ist.

Die Pflanzenwelt des Selous

Etwa drei Viertel des Selous  und weite Teile bis zu den südlichen Orten Songea, Tunduru und Liwale sind von dichten Miombo-Trockenwäldern bedeckt. Der Laub abwerfende Miombo-Baum wird durchschnittlich nur 15 m hoch, das Unterholz in den Wäldern besteht aus Gräsern und Buschwerk, in den wasserreichen Gebieten entlang des Rufiji River wächst auch vereinzelt Papyrus. Der Miombo-Wald ist an lange Trockenzeiten und nährstoffarme Böden angepasst und wird von der einheimischen Bevölkerung bzw. von Rangern innerhalb des Selous gebietsweise abgebrannt, bevor dies am Ende der Trockenzeit oft auf natürliche Weise durch die Sonneneinstrahlung passiert. Dieser Eingriff in den natürlichen Zyklus verhindert, dass nicht die gesamte Vegetationsdecke abbrennt und somit die Regenerationszeit der Pflanzen nicht zu lang wird. Bei vorherigem Abbrennen, wenn viele Pflanzen noch grünen, halten die Brände nicht so lange an, und Klein- und Großtiere bleiben größtenteils verschont und kehren nach kurzer Zeit zurück. Dies ist vor allem für die Honigsammler aus den umliegenden Dörfern wichtig, da die Bienen auf diese Weise nicht für längere Zeit verscheucht werden. Zu den vorherrschenden Miombo-Baumarten gehören der Brachystegia und der Isoberlinia. Nach der Regenzeit, von Juni bis August, zeigen sich die Miombobäume in ihrer ganzen Pracht. Während die Blätter wachsen, durchlaufen sie die unterschiedlichsten Farbstadien: Braun-,Rot-,Violett- und Gelbtöne folgen aufeinander, bis am Ende ein saftiges Grün erreicht ist.
Im nördlichen Foto-Tourismus-Sektor des Selous erstrecken sich gebietsweise Sumpf- und Graslandschaften, in denen Baumarten wie Affenbrotbäume, Schirm- und Flötenakazien, Ebenholzbäume und die für den Selous charakteristischen Doum- und Borassus-Palmen gedeihen. Letztere erreichen eine Höhe von knapp 30 m, der Stamm wird nach obenhin umfangreicher und die Baumkrone sieht aus wie ein buschiger Wedel. Die Borassus-Palme benötigt sehr viel Wasser. Hin und wieder sieht man auch noch Mango-Bäume, die aus der Zeit der Araber Mitte des 19. Jahrhunderts stammen. Aus den Fruchtkernen von damals haben sich riesige Schatten spendete Bäume entwickelt.

Die Tiewelt des Selous

  • Afrikanische Wildhunde
  • Nilgänse
  • Kaffernbüffel

Entlang und nördlich des Rufiji ist eine der artenreichsten Tierwelten Ostafrikas zu beobachten. Während der nahrungsreichen Regenzeit von November bis Mai leben im Selous fast eine Million Tiere, darunter heute wieder etwa 65.000 Elefanten – die wahrscheinlich größte zusammenhängende Population des Dickhäuters auf dem Kontinent. Die Gnu- und Büffelbestände werden auf etwa 160.000 Tiere geschätzt, Zebras und Impala-Atilopen soll es jeweils 50.000 geben.

Der einst große Bestand an Spitzmaul-Nashörnern  wird heute auf nur noch knapp 50 Tiere geschätzt, die größtenteils zurückgezogen leben und daher mit den Leoparden, die hauptsächlich nachtaktiv sind, zu den am seltensten gesehenen Tieren des Selous gehören. Im Norden, wo sich größere Areale offener Savannenlandschaft ausbreiten, sind Tiere seltener zu erblicken. Rappen und Kuh-Antilopen halten sich Hauptsächlich in den (nord-) westlichen Miombo-Wäldern auf. Entlang des Rufiji  River sind Elefanten, Große Kudus, Wasser- und Buschblöcke Elenantilopen, Büffel, Warzenschweine, Hyänen, Löwen, Wildhunde und natürlich auch Flusspferde (ca. 40.000) und unzählige Krokodile zu beobachten.

Die Vogelwelt ist im Selous besonders reich vertreten (über 400 Arten, darunter sehr seltene). Imposant ist der Afrikanische Schlangenadler, der stundenlang ohne einen einzigen Flügelschlag in gleich bleibender Höhe segeln kann. In Flussnähe sind vor allem die bunten  Orixweber, Kuhreiher, Goliathreiher, Pelikane (saisonal), Malachit- und Riesen-Eisvögel zu sehen, während auf den abgestorbenen Stümpfen der Borasus-Palmen Schreiseeadler nach Fischbeute Ausschau halten.

Reisezeit und Klima

Obwohl nicht sehr hoch gelegen und auch relativ nah an der Küste, sind die Temperaturen im Selous nicht extrem. Das Klima wird durch die Regenfälle reguliert, die auch die Farben der Natur und die Aufenthaltsorte der Tiere beeinflussen. Während der großen Regenzeit von März bis Mai ist Selous für Fahrzeuge geschlossen.
In der trockenen Saison, von Juni bis Oktober, zieht es die Tiere an die Seen und Flussufer. Der Himmel ist tiefblau, das Gras trocken, und Gelb ist die Farbe der Jahreszeit. Tagsüber ist es heiß und trocken, nachts kühlt es stark ab und man muss unter Wolldecken nächtigen – eine empfehlenswerte Besuchszeit.
Von November bis Februar ist die Landschaft mit einem satten Grün überzogen, der Himmel hin und wieder bedeckt und manchmal regnet es ein wenig. Die Sonnenuntergänge sind malerisch. Dies ist die beste Zeit für ausgiebige Boot-Safaris, der Wasserstand ist dann höher, es lassen sich Kanäle und Überflutungsebenen erkunden, zu denen während der Trockenmonate kein Zugang besteht.

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